Pauls bittere Erfahrung mit dem 1-Euro-Job

Mai12

Nachdem meine Eltern den Geldhahn zugedreht hatten, ich meine ganzen Ersparnisse aufgebraucht, mein wertvollstes Hab und Gut verkauft und immer noch keinen gut bezahlten Job gefunden hatte, blieb mir nichts anderes mehr übrig, als mich beim Arbeitsamt zu melden.

Hier musste ich erst einmal einen Berg von Papieren ausfüllen und meine ganzen finanziellen Verhältnisse offenlegen. Meine Eltern hatten mir gedroht, dass sie mich auch noch enterben würden, wenn ich es wagen würde, sie als zahlungskräftige Verwandte anzugeben. Also gab ich an, dass meine Eltern nicht für mich aufkommen könnten und so wurde mir tatsächlich Hartz IV gewährt. Jetzt konnte ich mir sogar eine kleine Wohnung in der Innenstadt nehmen und brauchte nicht mehr bei Bekannten oder One-Night-Stands zu übernachten.

Zwar war am Ende vom Geld immer noch viel Monat übrig, doch brauchte ich mir jetzt wenigstens keine Sorgen mehr um die Miete zu machen. Und wenig Geld zu besitzen ist immer noch besser als gar kein Geld. Und so studierte ich fleißig Stellenangebote und schrieb Bewerbungen für gutbezahlte Stellen. Die Tante vom Arbeitsamt gab mir auch eine Liste von Stellenausschreibungen mit, bei denen ich mich melden sollte. Da war z. B. eine Stelle als Busfahrer frei, als Lagerarbeiter oder als Verkäufer an einer Tankstelle. Das war doch nix für mich! Da bleib ich doch lieber arbeitslos, dachte ich. Doch ich hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Nach 2 Monaten wurde ich zu einem 1-Euro-Job geschickt in ein Altersheim geschickt. Wenn ich diesen nicht machen würde, würden die Zahlungen vom Arbeitsamt eingestellt werden. Also ging ich hin und dachte: kann ja nicht so schwer sein, den alten Leutchen ein wenig Gesellschaft zu leisten. Doch es war einfach nur grausam für mich zu sehen, wie einsam, hilflos und abwesend die Alten sind. Wie sie nur noch am Tisch sitzen und auf die Wand starren und gar nichts mehr von ihrer Umwelt mitbekommen, wie andere alle 5 Minuten nach der Uhrzeit fragen, weil sie anscheinend auf jemanden warten, der niemals kommen wird oder andere, die mit der Teetasse am Mund plötzlich der Schlaf überrascht.

Gestern meldete ich mich krank, denn mir war speiübel bei dem Gedanken, da nochmal hinzumüssen. Lieber arbeite ich an einer Tankstelle oder fahre Bus. Werde gleich mal dort anrufen, vielleicht ist die Stelle noch frei.

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Erstellt am 12. Mai 2011
um 1:59 pm
Geschrieben / Erstellt von: Paul
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